Samstag, 13. November 2010

Cuzco - Die alte Hauptstadt der Inka

7. November 2010

Ich erreiche Cuzco in den fruehen Morgenstunden, kurz nach nach Sonnenaufgang.
Mit dem Taxi geht es quer durch die Stadt auf 3.600m Hoehe zu meinem Hostal. Im falen Blau des fruehen Morgens fahren wir durch fast menschenleere Strassen, vorbei an Reihen Fassaden aus alten Gebaeuden und den schon bekannten Behausungen die Bewehrungseisen gern Himmel recken.
Das ist sie also, die alte Hauptstadt des Inkareichs!
Wir halten an der in meinem Tourbuch angegebenen Adresse des Hostals, aber nichts deutet auf eine Unterkunft fuer Reisende hin. Mein Fahrer klingelt bruesk, dann noch einmal und ein weiteres mal. Ich mache mich auf einen veraergerten Hausbesitzer gefasst, der nicht versteht, warum immer wieder Leute bei ihm klingeln und nach einem Zimmer fragen.
Nach einer guten Weile oeffnet sic die Tuer und ein baertiger Huehne in in Jogginghose und Badelatschen steht vor mir. Mein Fahrer fragt, ob das das Hostal Renacimiento sei. Der Baertige nickt und haelt mir die Tuer auf. Ich bezahle meinen Fahrer und trete ein. Mein Zimmer ist geraeumig und geschmackvoll eingerichtet. Ich frage wann es Fruehstueck gibt. Der Baertige entgegnet ab acht Uhr. Wir ist sechs.
Ich legen mich auf mein Bett und versuche noch etwas nach der Busfahr von Arequipa hier her zu schlafen. Allein, ich komme nicht wirklich zur Ruhe.
Ich stehe auf, koche mir einen Coca Tee und setze mich mir meinem Buch im Innenhof des Hostals in die strahlende Morgensonne.
Um acht Uhr erscheint der Baertige mit meinem Fruehstueck. Broetchen mit Marmelade, frischgepresstem Saft und einer Kanne frisch gebruehten, duftenden Kaffees.
Der Bartige heisst Ignazio. ¡Muchu gusto!

Ich erkunde die Stadt, laufe links und wieder rechts durch Strassen die nun von Leben erfasst sind, ueber Platze voller Menschen, vor allem Cruceños, Leute aus Cuzco.

Ich steige hinauf zur heiligen Staette Saksaywaman. Waende auf metergrosse Felsbloecken, derart exakt behauen, dass sie trotz einer unendlichen Vielzahl verschiedener Formen millimetergenau ineinander greifen. Unglaublich mir welcher Praezision die Erbauer dieser Anlage vor hunderten von Jahren gearbeitet haben.
Ich wandele ueber das weitlaeufige Areal, fasziniert von der schieren Vielzahl der verschiedenen Bloecke in mehreren Reihen, Mauern um Tempel und Kultstaetten.
Am weiten Ende der grossen Rasenflaeche weiden Alpacas.

Ich steige wieder hinab in die Stadt voller katholischer Kirchen und steinerner Zeugen der Inkazeit. Ein gigantischer Spagat aus der alten Kultur und dem nun Lateinamerika praegenden Erbe der spanischen Eroberer, die dem Land Gold und Silber raubten, die Menschen quasi versklavten und alles daran setzten ihr traditionsreiches Leben mit ihrer eigenen Doktrin zu ersetzen. Das ist Peru. Synthese verschiedener Traditionen und Lebensweisen, Kulturen und Menschen. Und nirgends wird dies so deutlich wie hier in Cuzco.



Es ist spaeter Nachmittag und ich bin hungrig. Auf der Suche nach einem Restaurant komme ich am Eingang der grossen Kathedrale von Cuzco vorbei. Ich gehe trotz Hungers hinein, und bin augenblicklich ueberwaeltigt vom barocken Prunk.
Unglaublich mit welcher Hingabe und Aufwand die Menschen hier der Doktrin der europaeischen Missionare huldigen und derartige Bauten als Ausdruck ihres tiefen Glaubens errichten und trotz mehrfacher Zerstoerung durch Erdbeeben immer wieder neu errichten.
Ich verlasse die Kathedrale fast zwei Stundne spaeter und steige zu dem Balkon eines Restarants hinauf, mit sagenhaftem Blick ueber den Plaza de Armas.
Heute soll es nicht wie schon so oft Lomo Saltado geben. Zur Feier des Tages und des nun bevorstehenden Treks ueber den Inka Trail nach Machu Picchu goene ich mir ein volles Menue. Zufrieden und satt schlendere ich durch die Strassen zurueck zu meinem Hostal. Ich bin muede von einem langen Tag, winke dem baertigen Ignazio zu und verschwinde in meinem Zimmer.

Sonntag, 7. November 2010

El Cóndor Pasa

6. November 2010
Nach einer langen und erholsamen Nacht tiefen Schlafs erwache ich am fruehen Morgen ausgeruht und voller Tatendrang. Keine Spur mehr von den Spuren der Sonne und Hoehe.
Wie so oft wird mir jedoch nach dem Fruehstueck noch einmal eine Zwangspause verordnet. Der erste Bus in Richtung Cabanaconde, ein gutes Stueck in den Canon Colca hinein faehrt um 7:00h vom Busbahnhof 10min ausserhalb des Dorfes.
Es ist 7:02h.
Ich ueberlege kurz alles stehen und liegen zu lassen und zu versuchen, den Bus zu erreichen. Aber - ganz entgegen meinen eigenen Vorurteilen - sind die Peruaner puenktlicher als die Deutsche Bahn (zugegebenermassen ist das nicht immer schwer).
Ich entscheide mich gegen den Sprint mit vollem Marschgepaeck auf 3.400m Hoehe und fuer den Bus um 9:00.

Es ist 8:58 und unser Bus rollt vom Gelaende des Terminals.
Wir winden uns die enge Schotterpist entlang des Hangrueckens in den Canyon. Noch sind die Haenge von Terassen bedeckt, in denen verschiedene Gemuese angebaut werden. Kaum zu glauben, dass in dieser Hoehe noch etwas nutzbares waechst. In den Alpen liegt die Baumgrenze bei rund 2.000m und Kartoffelfelder oder Obstplantagen habe ich dort noch keine gesehen.
Wir durchfahren kleine Doerfchen aus unverputzten Lehmbaracken mit Wellblechdaechern, die Raender mit dicken Steinen beschwert fuer zusaetzlichen Halt bei starkem Wind. Wind hat es hier. Immer wieder fahrn wir in unserer eigenen Staubwolke, die der Wind schneller als der Motor unseres Buses vor uns her treibt.

Ich erinnere den Fahrer, dass ich an dem Aussichtspunkt Cruz del Cóndor aussteigen will, aber er weiss genau, wo jeder seiner Fahrgaeste aussteigen will und zeigt mir den Aussichtspunkt einen guten Kilometer vor uns auf einer Anhoehe.
Am Cruz del Cóndor angekommen steige ich mit samt meinem ganzen Gepaeck aus. Die Gruppe britischer Pensionaere geaeugt mich perplex ueber ihre Lunchpakete gebeugt. Dieser Kerl mit der Tourenrucksack ist doch gerade aus dem vorbeifahrenden Bus der Einheimischen gestiegen. Wie kann man so ueberhaupt an diesen entlegenen Punkt kommen?
Ich unterhalt mich ein wenig mit den verdutzen Briten und ihrem peruanischen Reiseleiter. Sie sind auch extra den langen Weg aus Arequipa hier hoch gefahren, um den Kondor zu sehen. Leider bisher erfolglos.
Wir machen Witze, wie wir den riesigen Greif am ehesten zu Gesicht bekommen koennen.
Die naheliegendste Masnahme ist alle Fotoapperate wegzupacken.
Ob er mit einem Stueck Wurstsandwich zu locken sei?
Als Aasfresser aber wohl kaum.
Wir ueberlegen kurz, ob man es der Kinder auf ihrem Schulausflug als Koeder benutzen koennte, entscheiden uns dann aber auch hiergegen (britischer Humor eben).

Es ist ein schoener Tag. Blauer Himmel, Sonne - nur von unseren Kondoren ist weit und breit nichts zu sehen.
Irgendwo in den Steilwaenden unter uns oder gegenueber haben sie ihre Nester, fliegen aber mitunter zig Kilometer weit auf der Suche nach Futter.
Mir daemmert, dass ich wohl die Aberstunden Busfahrt vergebens auf mich genommen habe und wohl doch keinen dieser peruanischen Giganten zu Gesicht bekomme.
Und gerade, als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, steigt ploetzlich an der Kante vor uns eins dieser riesigen Tiere lautlos wie aus dem Nichts kommend empor. Noch ehe wir unsere Kameras bereit haben ist er schon hoch ueber uns und dreht majestaetisch ohne auch nureinem einzigen Fluegelschlag ueber die Schlucht. Weit gestreckte Schwingen, schwarz mit weissem Obergefieder, den Blick in die ferne Tiefe gerichtet.
Bald ist er nur noch ein schwarzer Punkt im Himmel, von dem nur wir wissen welch grossrtige Kreatur sich dahinter verbirgt.

Meine englischen Freunde nehmen mich in ihrem Bus mit zurueck nach Chivay, von wo ich einen Linienbus bekommen kann. Fuer eine Fahrt mit ihnen direkt bis nach Arequipa zurueck reicht unsere Freundschaft leider nicht.
Ich verpasse leider wieder um wenige Minuten den zwei Uhr Bus und nehme den um vier. Mit 45min Puffer erreiche ich das Busterminal von Arequipa und besteige meine rollende Saenfte durch die Nacht in Richtung Cuzco.